Der Junggesellenverein-Einigkeit-Schweinheim (bei Bonn-Bad Godesberg) wurde das erste Mal 1950 von den Junggesellen des Dorfes gegründet. In den 60er Jahren fand das Vereinsleben ein jähes Ende: In Folge einer regelrechten „Heiratswelle“ der damaligen Mitglieder mussten die Aktivitäten Vereines aufgrund der mangelnden Anzahl an Junggesellen erst einmal auf Eis gelegt werden. Beides, also Frau und Verein unter einen Hut zu bringen, war damals wohl noch nicht möglich. In diesem Ruhezustand verharrte der JGV letztlich bis zum Jahre 1978, als sich ein paar Schweinheimer Jugendliche ein Herz fassten und den Verein im Mai gleichen Jahres wieder aufleben ließen. Natürlich sind sie bei diesem „tollkühnen“ Vorhaben von den sich auch wieder an frühere Zeiten erinnernden „Alt-Junggesellen“ angespornt und tatkräftig unterstützt worden. Der Verein startete sein Mai- Revival mit nur 5 Gründungsmitgliedern. Doch der Zuwachs ließ nicht lange auf sich warten, so dass die heutige Mitgliederzahl kontinuierlich um die 100 pendelt.
Um den erneut drohenden Komplikationen aus den 60er Jahren schon im Voraus aus dem Wege zu gehen, erhielt der Vereinsname in den 80er Jahren den Zusatz „Männereih“.
Dadurch war es rein rechtlich endlich auch den Verheirateten möglich, aufgrund ihres „Mannseins“ dem Verein treu zu bleiben und an den begehrten Aktivitäten (hierzu später mehr) teilzunehmen. Nach dieser Lockerung der bis dato bestehenden Vereinsordnung, nach der man nicht mehr zwingend Junggeselle sein musste, um in unserem Verein Mitglied zu sein, war der nächste Schritt im Laufe der Emanzipation gute 10 Jahre später fast vorhersehbar gewesen: Die ersten Frauen wurden in den 90er Jahren in den JGV-Schweinheim aufgenommen. Seit diesem Tage also stehen die Vereinstüren quasi jedem offen und auf natürlich gegebene Kriterien wird kein Wert mehr gelegt (Wobei die Frauenquote von jedem männlichen Mitglied wohl unterbewusst möglichst niedrig gehalten wird).
Die Ziele unseres Vereins sind die Aufrechterhaltung und Pflege von Brauchtum und Tradition.
· Zu diesen gehört unsere Kirmes, die wir nach alter Sitte zum Tage des Hl. Sebastianus, am 20. Januar eines jeden Jahres veranstalten.
· Darauf folgt als regelmäßige Aktivität jedes Jahr der Karneval, an dem wir uns, unserem rheinischen Instinkt ergeben, ganz und gar den hiesigen Festivitäten hingeben.
· Weiter geht es im Wonnemonat Mai, der am 30. April durch den „Tanz in den Mai“ eingeleitet wird, und durch den uns unser am selben Abend gekröntes Maipaar bei allen Veranstaltungen begleitet.
· Ende August kommt man erneut am Godesberger Stadtfest zusammen, an dem der JGV regelmäßig teilnimmt.
· Einen weiteren Brauch stellt nur wenig später, nämlich am ersten Samstag im September, unser Schweinheimer Dorffest dar, welches wir alljährlich in Zusammenarbeit mit der Karnevalsgesellschaft Schweinheim e.V. veranstalten.
· In der Martinszeit begeistern wir Groß und Klein mit einem Fackelzug. Bei der Finanzierung unterstützen uns die Schweinheimer Kinder tatkräftig: Zwei Wochen lang gehen sie in Begleitung einiger Vereinsmitglieder durch das gesamte Dorf und sammeln Spenden für den Martinszug, indem sie an jeder Haustüre 2-3 der bekanntesten Martinslieder zum Besten geben (Martinssingen).
· Des weiteren bietet der JGV-Schweinheim jedes Jahr im Dezember gegen ein kleines Entgeld einen Nikolausdienst an, der zunehmend von ansässigen Familien genutzt wird.
· Zum Abschluss sei „last but not least“ auch noch der JGV-interne Männerchor „Halbe Lunge“ zu nennen, der hauptsächlich zur Karnevalszeit aktiv wird, sich aber auch ansonsten keine Gelegenheit entgehen lässt, die von weit her angereisten Zuschauermassen mit eigenen und „geliehenen“ Liedern zu erfreuen.
Unsere Kirmes
Wenn man normalerweise das Wort „Kirmes“ hört, denkt man automatisch an Losbuden, Karussells, Schießstände, usw. …!
In Schweinheim ist das etwas anders:
Wir feiern eine Traditionskirmes. Was ist nun darunter zu verstehen?
Unsere Kirmes geht über mehrere Tage und verfolgt dabei immer ein ganz gewisses Schema, das eingehalten werden muss. Den Beginn der Feierlichkeiten stellt immer der Freitag vor dem 20. Januar dar. Am Abend diesen Tages nämlich, trifft man sich zu einer gemütlichen Runde , um den „Hauptakteur“ der kommenden Woche, nämlich den Zacheies, zu „bauen“. Alle Nicht-Schweinheimer und alle, die mit dieser Sitte nicht vertraut sind, werden spätestens an dieser Stelle den Finger an die Stirn tippen, wobei womöglich edanken wie: „Die spinnen, die Schweinheimer!“, durch ihre Köpfe geistern werden. Doch zu unserer Verteidigung und zur Erklärung für jeden Interessierten, muss Folgendes nachgereicht werden:
Der Zacheies, auch Kirmesmann genannt, ist eine mannshohe Strohpuppe, die jedes Jahr zu dieser Zeit immer wieder neu gebaut werden muss. Dieser Kirmesmann ist Sinnbild für alle Sünden, die im Laufe der Kirmes begangen werden. Er kompensiert sozusagen die Vergehen aller und nimmt die ganze Schuld auf sich. Ferner hält er Wacht über die Kirmes und trägt Sorge dafür, dass keinem in dieser Woche etwas zustößt. Der Zacheies stellt also für diese kurze Zeit soetwas wie das Aushängeschid des Dorfes dar. Um so tiefgreifender muss eine andere Sache in der Kirmestradition gewertet werden: Sobald der Zacheies am Freitag Abend fertig gebaut und auf einen Namen nach Wahl des zweiten Vorsitzenden des JGV`s getauft worden ist, ist er sozusagen Freiwild und begehrtes Jagdobjekt für alle Nicht-JGV-Mitglieder und andere Brudervereine aus der Umgebung. D.h., dass alle Mitglieder während der ganzen Kirmeszeit sehr wachsam sein müssen, denn sollte es wie fast in jedem zweiten Jahr wirklich dazu kommen, dass der Zacheies gestohlen wird, so muss der JGV meist ein hohes Lösegeld für dessen Rettung bezahlen, was meistens in flüssiger Form berechnet wird. Folglich zahlt sich erhöhte Wachsamkeit wirischaftlich aus, denn es steht ausser Frage, den Zacheies seinen Entführern zu überlassen: Er muss die ganze Kirmes über dabei sein. Gelingt es ferner den Wächtern, den Dieb auf frischer Tat zu ertappen und aufzuhalten, muss dieser eine dann erhobene Strafe zahlen, die meistens auch hier mit Naturalien beglichen wird.
Nachdem dieses Prozedere nun von allen vorher Unwissenden ohne Probleme nachvollziehbar sein sollte, kommen wir nun zum nächsten Ereignis während unserer Kirmeswoche: Der Kirmeskostümball am Samstag Abend stellt das eigentliche Highlight der Kirmeswoche dar: An diesem Abend finden sich viele Einheimische und Besucher kostümiert zusammen und verbringen einen lustigen Abend voller Tanz, Spiel und Geselligkeit miteinander. Selbstverständlich ist auch hier unser Zacheies anwesend, der an diesem Abend wohl am schärfsten vor den Eingriffen Dritter geschützt werden muss, da die Langfinger hier zu fortgeschrittener Stunde wie Gras aus der Erde zu spriessen scheinen. Denn: Gelegenheit macht Diebe, und je später es wird, desto günstiger werden eben diese Gelegenheiten.
Die ursprüngliche Tradition des Kirmesballs wurde innerhalb der letzten Jahre noch durch den Zusatz „-kostüm-“ ergänzt. Aufgrund der terminlichen Nähe zu Karneval waren alle Anwesenden beim ersten Kirmeskostümball sehr begeistert und fanden diese Art von vorgezogener Karnevalsparty durchaus amüsant, zumal die Atmosphäre noch frei von dem ganzen Streß ist, der vielen zur Karnevalszeit die Lust am feiern mindert. So behindert dieser Faktor niemanden und dem allgemeinen Frohsinn kann freien Lauf gelassen werden, was noch dadurch gestärkt wird, dass keiner am nächsten Morgen irgendwelchen Verpflichtungen nachkommen muss, was in der Karnevalszeit zumeist der Fall ist.
Der letzte Termin der Schweinheimer Kirmes Schließlich ist der darauf folgende Mittwoch. Am Abend diesen Tages finden die sogenannten Passionsspiele mit anschließender Verbrennung des Zacheies statt. Die Passionsspiele sind Rollenspiele, bei der einzelne JGV-Mitglieder vor einem Publikum in verschiedene Rollen schlüpfen, die entweder pro oder contra der Bestrafung des Kirmesmannes sind. So sind u.a. ein Richter, ein Priester, die Mutter des Zacheies usw. vertreten. Doch das Ende ist jedem schon im Voraus bewusst: Der Zacheies wird für die Sünden aller zum Tod durch das feuer verurteilt, und kein Bitten und Betteln der Mutter kann den Richter davon abbringen, das Urteil auszusprechen. Vor diesem eigentlichen Spiel wird der Zacheies in einem sogenannten „Köttzoch“ unter Begleitung von Paukenschlägen in einer Schubkarre durch das ganze Dorf gekarrt, also quasi allen Anwohnern als Mahnung und schlechtes Beispiel: Danach findet die eben beschriebene Zeremonie statt. Nach dem Passionsspiel, trifft man sich noch zum Abschluß der Kirmestage zum gemeinsamen Fischessen.
Ab dem Donnerstag danach kehrt wieder Ruhe und Ordnung in Schweinheim ein; alle Sünden, die man in der Kirmeszeit begangen hat, sind mit dem Zacheies verschwunden und vergeben und der Alltag findet allmählich wieder zurück zu seinem ursprünglichen Stellenwert.
Karneval in Schweinheim
Der Karneval in Schweinheim stellt einen der zentralen Schwerpunkte im Jahresprogramm des JGV-Scheinheim dar. Doch verbinden viele unserer Mitglieder dieses Hochfest rheinischer Kultur neben dem vielen Spaß auch mit einer Menge Arbeit: Neben dem Schweinheimer und dem Godesberger Karnevalszug gilt es auch noch eine eigene Schweinheimer Karnevalssitzung zu bewältigen. Für die beiden Züge müssen sich jedes Jahr neue, eigene Mottos überlegt werden, nach denen sich dann auch alle Mitglieder einheitlich verkleiden müssen. Zu diesem Anlass trifft man sich meistens ein paar Wochen vor Karneval samstags abends in feucht-fröhlicher Runde, um die einzelnen Kostüme erst zu konzipieren und sie danach zu konstruieren. Das alles geschieht wie gesagt in einheitlichem Rahmen, wobei jedoch jedes einzelne Kostüm seinen eigenen „Touch“ erhalten sollte.
Noch weit vor dem Kostümbau-Termin beginnen schon die Vorbereitungen zum Wagenbau. Denn was wäre so ein werbewirksames Ereignis wie Karneval, wenn man kein geeignetes „Zugpferd“ vorzuweisen hat? Also muss sich schon im Voraus darüber geeinigt werden, mit welchen Gefährten im Zug mitgegangen wird, und wie man sie dem Motto gemäß umgestalten könnte. Im JGV schließlich ist es im Laufe der Jahre dazu gekommen, dass sich im Großen und Ganzen drei “Standard-Zugpferde“ vorweisen lassen können:
è Ein 11-Mann-Tandem,
è Ein alter Opel Kadett, dem liebevoll die Stoßdämpfer entfernt und das Dach abgeflext worden sind, genannt: WIPP-Car,
è Ein 8,21 m langes VW-Käfer-Cabriolet mit Breitreifen und Sportlenkrad
Mit solch einer gigantischen Auswahl an außergewöhnlichen Blickfängen ist es jedoch nie wirklich ein Problem, in den Karnevalszügen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen.
Auf der von der Karnevalsgesellschaft Schweinheim veranstalteten Karnevalssitzung am Karnevalssamstag setzen wir unsere Arbeitskraft ein, indem wir tatkräftig beim Auf- und Abbau zur Hand gehen.
Auch stehen wir mit dem JGV-Chor Halbe Lunge für einen schlagkräftigen Auftritt, der alljährlich umjubelt wird.
Godesberger Stadtfest
An diesem Highlight des Godesberger Veranstaltungskalender am letzten Samstag im August nehmen wir seit vielen Jahren traditionsgemäß teil.
An einem Stand in der Nähe der Stadthalle sorgen wir mit Bewirtung und Verköstigung für das leibliche Wohl der zahlreichen Besucher. Durch gute und schnelle Bedienung in unserem Biergarten und durch das nette Erscheinungsbild unserer Grillmeister bleiben viele Gäste trotz großen Angebotes auf den Wegen des Stadtfestes sitzen.
Für die kleinen Besucher ist das Kasperle-Theater ein großer Anziehungspunkt. Mitglieder und Freunde des Vereins stecken viel Zeit in Vorbereitung des Bühnenbildes und Proben des Stückes.
Und die Bänke vor dem Vorhang sind immer voll.
Schweinheimer Dorffest
Jedes Jahr am ersten Samstag des Septembers ist in Schweinheim keiner mehr in seinen eigenen vier Wänden. Denn das Dorffest steht an!!
Zusammen mit der KG Schweinheim veranstalten wir das Dorffest auf dem Dorfplatz „Am Lenkert“.
Von Freitag an wird auf dem Dorfplatz aufgebaut und vorbereitet, damit am Samstag Mittag alles für die Dorfbewohner parat ist.
Würstchen, Reibekuchen und jedes Jahr eine besondere kulinarische Überraschung unseres Kochteams (Schweinheimer Pfanne, Scampis, u.ä.) sowie Getränke aller Art locken viele Besucher an.
Auch durch das große Zelt und das unterhaltsame Programm mit Live-Musik und Spielen für Jung und Alt werden viele Besucher angezogen und kommen und bleiben in der guten freundlichen Atmosphäre bis in die späten Nachtstunden.
Alle Arbeiten werden durch Schweinheimer Bürger, meist Angehörige von JGV und KG, ausgeführt, von Thekendienst bis hin zum Reibekuchen backen.
Sonntags beginnt mittags ein erst schleppender, aber dann immer zügiger ablaufender Abbau, da man ja erst mal die Nachwirkungen des Samstages verarbeiten muss.
Martinszeit
siehe Artikel im Karnevalsheftchen!!
Nikolausdienst
Dieser „Dienst“ für Eltern und böse und gute Kinder wird gegen eine kleine Spende angeboten. Das gesammelte Geld kommt nach einer großzügigen Aufrundung durch den Verein der Aktion „Weihnachtslicht“ zu gute.
JGV-Chor Halbe Lunge
Was kommt dabei raus, wenn sich ein paar ungeübte Sänger zusammenschließen und sich unter Leitung zweier musikalisch vorgebildeter Herren an kölschem Liedgut probieren?
Der JGV-Chor Halbe Lunge!!
Der Name ist hier Programm.
Aber in den letzten Jahren hat sich der Chor von einem reinen Playback-Spass-Chor zu einem hörenswerten Live-Gesangserlebnis entwickelt.
Sogar wird sich erfolgreich an der Neugestaltung von Texten bekannter Lieder versucht, die dann im Ergebnis einen sehr dorfbezogenen Charakter haben und oft mit real lebenden Personen und Gegebenheiten zusammenhängen. J
Neben Karneval haben sich die Gelegenheiten und Anfragen für Auftritte gesteigert, so dass inzwischen auch auf dem Dorffest und auf privaten Jubiläen und Festivitäten die Jungs ihren Stimmen zum besten geben.
Und der Erfolg gibt ihnen Recht, in dieser Weise fortzufahren und weiter an ihrer Karriere zu basteln.
Vielleicht stehen ihnen dann ja irgendwann die großen Opernsäle und Konzerthallen offen und die Zuschauer liegen ihnen zu Füssen.